| Impuls-Art | |
| Radio RADAR, Herbst 2005 | |
| Impuls Art (Iris Welker-Sturm, Monique van Klev) im Gespräch mit Georg Platzer | |
| P: | "Heute habe ich zwei Vertreter von Impuls-Art eingeladen, die gerne über sich berichten möchten. Bei Impuls-Art handelt es sich um eine Darmstädter Künstlergruppe, die seit ihrer Gründung 2003 immer wieder bei Ausstellungen präsent ist. Die Künstler kommen aus den Verschiedensten Disziplinen wie Fotografie, Malerei, Grafik, Design, Skulptur, Keramik, Glas, Schmuck und Lyrik. Ich freue mich, mit zwei Vertretern der Künstlergruppe, über sie und Ihr Konzept sprechen zu können. Hallo Monique van Klev und Iris Welker-Sturm..." |
| W: | "Ja, danke für die Einladung bei Radio Radar und bei dir Schorsch." |
| P: | "Was hat euch damals motiviert, diese Gruppe 2003 zu gründen?" |
| W: | "Tja, die Schwierigkeiten die, die einzelnen Künstler haben, wenn sie alleine arbeiten und teilweise als Autodidakten oder, Künstler die noch nicht auf dem Kunstmarkt vertreten sind, Ausstellungsmöglichkeiten zu bekommen. Damals haben sich einige Leute getroffen, um ihre erste Ausstellung zu organisieren." |
| K: | "Ja, ich bin die Monique. Ich möchte mich auch noch 'mal bei Radar und beim Georg bedanken, dass wir hier sein können. Ich betreibe ein Rahmenatelier hier in Darmstadt und bin im Zuge meiner Arbeit mit mehreren Leuten in Kontakt gekommen und im Gespräch unter Künstlern ist die Schwierigkeit, alleine eine Ausstellungsmöglichkeit zu organisieren und zu bekommen. So haben sich einige Leute zusammengetan und bei Will Greenwood in der Greenwoodgalerie in der Schulstraße haben wir die erste Ausstellung zusammen organisiert, und so fing das dann an." |
| P: | "Die Problematik ist am Anfang meist für jeden gleich." |
| W: | "Ja, und dann ist es eben sinnvoll, eine Art Netzwerk zu bilden und sich zu unterstützen. So haben wir uns das jedenfalls gedacht. Mann könnte es auch eine Selbsthilfegruppe nennen." |
| P: | "Selbsthilfegruppe der anonymen Künstler?" |
| W: | (lacht) "Ja, wir können uns gemeinsam über Räume unterhalten, wir können Ausstellungen organisieren, wir können die Arbeit besser verteilen. Wir haben Leute, die im Internet entsprechend das Webdesign erstellen können, uns da helfen oder den Katalog erstellen, Hilfe bei Bewerbungen für Ausstellungen, Ateliernutzung, nur einige haben ein eigenes Atelier, das sind alles Punkte, bei denen man sich gegenseitig helfen kann, und das ist ein Teil unserer Gemeinschaft." |
| P: | "Derzeit seid Ihr sieben Künstler? Könnt Ihr mir im Einzelnen etwas zu den Personen erzählen?" |
| W: | "Ja, das ist zunächst neben mir die Monique van Klev. Sie macht in erster Linie Menschenbilder, Malerei und Skulptur." |
| K: | "Ja, bei mir steht im Vordergrund der Mensch, dargestellt als nackte Figur. Ich male sehr groß, meistens in Öl und meine Bilder sollen vorrangig Gefühle ausdrücken. Die Betrachter sollen sich in den Bildern wiederfinden. Ja und dann mache ich noch Plastiken, und wenn das Geld reicht, lasse ich sie in Bronze gießen." |
| P: | "Ich habe im Vorfeld einige Sachen von Dir gesehen. Du hast gesagt, sehr groß, das kann ich nur bestätigen. Du arbeitest immer in einem bestimmten Farbspektrum, Du benutzt eine Basisfarbe. Und Du malst Engel." |
| K: | "Ja genau, Engel habe ich eine Zeit lang gemalt, da bin ich auch noch 'dran, es gibt eine ganze Serie dieser Bilder. Alles mit bunt und Hintergrund, lenkt mich zu sehr ab von dem, was ich darstellen will, meine Figuren sind auch meist angeschnitten." |
| P: | "Also, nicht vollständig auf dem Bild." |
| K: | "Genau, es geht halt um das Wesentliche und ein Bild ohne Hintergrund malen, ist dann ja auch schwierig, deshalb alles, was ablenkt, ist nicht da, deshalb auch nackt." |
| P: | "Nackt und der Hintergrund dunkel, wie bei Rembrandt." |
| K: | "Ja, genau." |
| W: | "Du hast auch ein Motto." |
| K: | "Ja. Im Vordergrund steht der Mensch, dargestellt als nackte Figur, auf der suche nach etwas Menschlichkeit." |
| W: | "Die Zweite ist Jana Brion-Kraft. Sie beschäftigt sich mit Design und Skulptur, z.B. Porzellan, Vasen, Glas und macht unser Weblayout. Auch die Jana hat ein Motto." |
| K: | "Form heißt Verzicht." |
| P: | "Ich sehe gerade in Eurem Flyer, sie gibt Kurse in Keramik und bietet Lehrgänge in Halle und Dessau an. Und ist in ganz Deutschland mit ihren Arbeiten vertreten." |
| K: | "Ja, im Moment ist sie in Madrid." |
| P: | "Also, international." |
| W: | "Ja. Dann haben wir Jörg Nover, dessen typische Arbeiten sind auf Jeans oder mit Jeans- stoff verarbeitet und auch Jörg hat ein Motto." |
| K: | "Der farbige, raue Untergrund von Jeansstoff ist meine Herausforderung." |
| W: | "Ruth Ebentheuer gehört dazu. Ruth macht in erster Linie Schmuck aus Glas, z.B. Jugend- stil-Ketten und andere Arbeiten mit buntem Glas." |
| K: | "Ihr Motto: Mich fasziniert die Vielfalt der Formen und Farben." |
| W: | "Die Nächste, die zur Gruppe gehört und auch schon von Beginn an, Anne-Kathrin Matz, beschäftigt sich mit Fotografie und Mediendesign, das sind häufig Naturfotografien mit entsprechenden Verfremdungen." |
| P: | "Und ist derzeit Mitglied im Künstlerrat der Kommunalen Galerie." |
| W: | "Ja, zusammen mit der Jana." |
| K: | "Und ihr Motto ist: Farben, Formen und Flächen inspirieren mich." |
| W: | "Dann haben wir den Siegfried Piesker, er beschäftigt sich mit Abstrakter Malerei." |
| K: | "Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden." |
| W: | "Und das hat er von Hermann Hesse übernommen. Und die letzte im Bunde, bin ich selbst, Iris Welker-Sturm. Ich beschäftige mich mit Malerei in Acryl, nicht ganz so große Formate wie Monique, da habe ich gerade eine Serie in Arbeit, die heißt 'Reisen ins innere Ausland' und die zweite Gruppe meiner Bilder sind Textbilder." |
| P: | "Ja, Du betreibst ja nicht nur Malerei, sondern bist auch relativ erfolgreich als Lyrikerin unterwegs." |
| W: | "Ja, die Textbilder sind da die Kombination der Malerei und Textarbeit. Und das Neueste, was ich derzeit mache, sind sogenannte Puzzlestories. Das ist der Versuch, das Publikum einzubeziehen in das Bild - quasi interaktiv zu arbeiten. Wortteile, die mit Klettband an einer Holzplatte angebracht sind und die kann man verändern, umstellen. So entsteht jedes Mal eine neue Geschichte." |
| P: | "Das bedeutet, der Betrachter kann das Bild ändern." |
| W: | "Genau, und machen sich quasi ihre eigene Geschichte, die natürlich neue Assoziationen freisetzt. Ich habe auch ein Motto." |
| K: | "Malerei ist Sprache für die Augen. Sprache ist Malerei für das Ohr." |
| P: | "Ihr hab jetzt vor kurzem dreijähriges Bestehen gefeiert und in der Zeit auch mehrere Gruppenausstellungen gemacht." |
| W: | "Ja, die erste war 2003 in der Greenwood-Galerie in der Schulstraße, quasi die Gründungsveranstaltung, die zweite 2004 war bei Mercedes-Benz und das war verbunden mit einer Aktion für die Darmstädter Tafel und einer Malaktion mit Kindern und die Kinderbilder wurden Verkauft. 2005 hatten wir eine Gemeinschaftsausstellung in der Säulenhalle in Pfungstadt, das waren die gemeinsamen Aktivitäten bisher, aber wir haben natürlich auch alle Einzel- ausstellungen gemacht. Wir fördern uns da insofern, wenn einer eine Möglichkeit auftut, diese dem Nächsten dann weitergeben, das da quasi 'ne Kette von Ausstellungen ent- stehen kann." |
| P: | "Die Anfänge waren in der Grennwoodgalerie. Die stand auch unter einem Motto: Wider die Lethargie." |
| K: | "Da gab es einen schönen Artikel im Darmstädter Echo. Da ging es genau darum, alles stagniert, nichts geht weiter, alles nur Frust, aber die Künstler, die haben sich jetzt zu- sammengetan und die erste Ausstellung ist damals innerhalb von drei Tagen aus dem Boden gestampft worden, deshalb auch der Name Impuls-Art. Und das war richtig gut." |
| P: | "Sehr impulsive Künstler. Bei Mercedes-Benz habt Ihr bei der Ausstellung für die Darmstädter Tafel gesammelt." |
| K: | "Mercedes hatte die A-Klasse-Präsentation im Sommer gehabt, da durfte ich in Darmstadt und einige weitere in Rüsselsheim, Groß-Gerau und da ging es darum, die Autos mit Fingermalfarbe zu bemalen, also was ganz Tolles, das darf man ja nie, Auto - Heiligtum, das wurde dann komplett von den Kindern angemalt, da haben sich auch ein paar Erwachsene ran gewagt und unter meiner Anleitung, haben die Kinder auch Bilder gemalt. Wir haben dann dreieckige Leinwände gehabt, die wurden alle zusammengelegt. Dann haben die Kinder Pinsel bekommen, es war ein gemeinsames Werk, jeder hat gepinselt und gestrichelt und diese Bilder wurden dann bei unserer Vernissage im Dezember versteigert." |
| P: | "Einmal im Monat habt ihr ein Treffen im La Java, ehemals Altes Pädagog, bei dem Interessierte sich mit Euch treffen können und sozusagen vorfühlen können, ob sie bei Euch mitmachen wollen. Ihr seid eine freie Gruppe, also kein Verein." |
| K: | "Wir sind eine offene Gruppe und es geht darum, sich auszutauschen, was für Erfah- rungen man gemacht hat, die weitergeben, einige sind ja auch in anderen Künstler- gruppen tätig. Was halt wichtig ist, bitte keine Trittbrettfahrer, die nur die Vorteile wollen. Jeder muss sich einbringen, das ist natürlich nicht jedermanns Sache, man muss halt auch schauen, ob die Chemie stimmt. Meistens bringen die Leute auch irgendwas mit, was man sich anschauen kann, Fotos usw. untereinander machen wir auch ´mal Atelierbesuche, um zu schauen was macht der, wie arbeitet der. Das Treffen ist jeden ersten Dienstag im Monat um 19 Uhr im La Java." |
| W: | "Das ist für Interessenten und Neue. Dann haben wir noch ein zweites, internes Arbeits- treffen, wenn man so will, im Petri jeden dritten Dienstag. Da betreiben wir auch mal Dis- kussionen über Qualität und zukünftige Projekte, Tipps für Weiterbildung und solche Dinge." |
| P: | "Ihr legt Wert auf qualitative Arbeiten und, dass die Künstler zu Euch passen, also da kann nicht jeder kommen, sondern Ihr wollt Euch schon ansehen, was die Leute so machen." |
| K: | "Es kann jeder kommen, aber ja, sicher. Man muss schon schauen, passt er und wie ist das Engagement und so weiter. Jeder hat irgendeine Verbindung und so weiter. Und es sollte klar sein, dass, wenn man mitmacht, auch alles zum Wohle der Gruppe gemacht wird." |
| W: | "Und an der Qualität, wir arbeiten daran. Und das ist ja schon etwas, in der Gruppe darüber zu diskutieren, das macht ja nicht unbedingt jeder." |
| P: | "Ansehbare Arbeiten für ein gewisses Ambiente und Netzwerke bilden." |
| K: | "Richtig." |
| W: | "Ja." |
| P: | "Was habt ihr in der nächsten Zeit geplant?" |
| W: | "Als Gruppenaktivität haben wir eine Ausstellung in 2006 so vage in Groß-Umstadt geplant und ein Projekt im Sommer in Italien. Das ist aber noch nicht so richtig besprochen, das dürften wir eigentlich noch gar nicht verraten. Da gibt es ein Dorf in Gimbiterre, das hat alle Haustüren bemalt und zwar, jede von einem speziellen Künstler. Da wollen wir gerne teilnehmen." |
| P: | "Ich hab mir mal so einen Flyer geschnappt, den Ihr mitgebracht habt, ich kann kein Italienisch 'Valoria' heißt das Dorf?" |
| K: | "Also, es sind ja noch nicht alle bemalt, jeder Künstler darf auch nur eine bemalen, das ist Grundvoraussetzung, im nächsten Juli. Das Dorf lebt praktisch davon, dass die Touristen kommen und sich das anschauen, das ist sozusagen eine Attraktion in diesem Kleinen Bergdorf. Dann wollen wir 'mal als Gruppe schauen." |
| P: | "Dass mindestens sieben neue Türen dazukommen?" |
| W: | "Im Augenblick haben wir eine Ausstellung im Restaurant Petri, Jörg Nover stellt derzeit aus." |
| P: | "In der Arheilger Straße?" |
| W: | "Ja, und ich habe eine Ausstellung Vernissage und Lesung am 11. November 2005 in der Linie Neun in Griesheim." |
| K: | "Und ich bin dann bei 'art meets mechanics' dabei." |
| P: | "Bei den fünfzehn Künstlern, die in der Schlosserei Schmahl ihre Arbeiten präsentieren." |
| K: | "Im November 2005" |
| P: | "Ich bedanke mich für das Gespräch." |